Eine Infrarotheizung wirkt auf den ersten Blick unkompliziert: Paneel montieren, Strom anschließen, Wärme genießen. In der Praxis entscheidet aber vor allem das Gebäude darüber, ob daraus eine sinnvolle Lösung oder eine teure Dauerbelastung wird. Ich zeige die wichtigsten Nachteile, rechne die laufenden Kosten nachvollziehbar vor und ordne ein, wann die Technik trotzdem passen kann.
Die wichtigsten Punkte zur Entscheidung auf einen Blick
- Hohe Betriebskosten entstehen, weil aus einer Kilowattstunde Strom ungefähr eine Kilowattstunde Wärme wird.
- Die Dämmung entscheidet stärker über die Wirtschaftlichkeit als die Größe oder das Design der Heizpaneele.
- Günstige Anschaffung bedeutet nicht automatisch geringe Gesamtkosten über 15 oder 20 Jahre.
- Heizstromtarife und Sperrzeiten sind regional unterschiedlich und können den Komfort einschränken.
- Photovoltaik hilft nur teilweise, weil der größte Heizbedarf im Winter und häufig abends entsteht.
Der größte Nachteil sind die laufenden Stromkosten
Eine Infrarotheizung gehört zu den elektrischen Direktheizungen. Sie wandelt Strom über einen Widerstand in Wärme um und gibt diese überwiegend als Strahlung an Wände, Böden und Möbel ab. Der Wirkungsgrad am Gerät ist zwar hoch, doch entscheidend bleibt der Energieeinsatz pro Kilowattstunde Wärme.
Für eine Kilowattstunde Wärme benötigt das Paneel ungefähr eine Kilowattstunde Strom. Eine Wärmepumpe kann aus derselben Strommenge je nach Anlage und Gebäude oft drei bis fünf Kilowattstunden Wärme erzeugen. Genau dieser Unterschied wird bei Werbeversprechen gern ausgeblendet. Ich halte deshalb Aussagen wie „besonders sparsam“ ohne Angabe des Gebäudes für wenig hilfreich.
Ein einfaches Rechenbeispiel
Nehmen wir einen angenommenen Strompreis von 35 Cent pro Kilowattstunde und einen jährlichen Wärmebedarf von 10.000 Kilowattstunden. Eine Infrarotheizung würde dafür rechnerisch rund 10.000 Kilowattstunden Strom benötigen. Das entspricht etwa 3.500 Euro im Jahr, bevor Grundpreise oder Kosten für Warmwasser berücksichtigt sind.
| Heizsystem | Strombedarf für 10.000 kWh Wärme | Beispielkosten bei 35 ct/kWh |
|---|---|---|
| Infrarotheizung | ca. 10.000 kWh | ca. 3.500 Euro |
| Wärmepumpe mit Jahresarbeitszahl 3,5 | ca. 2.860 kWh | ca. 1.000 Euro |
Das Beispiel ist keine individuelle Heizkostenprognose, macht aber die Größenordnung sichtbar. Schon kleine Unterschiede beim Strompreis oder beim Wärmebedarf wirken sich stark aus. Je länger und intensiver geheizt werden muss, desto schwerer wiegt dieser Nachteil.
Warum das Gebäude über die Wirtschaftlichkeit entscheidet
In einem sehr gut gedämmten Neubau oder in einem kleinen, selten genutzten Raum kann eine Infrarotheizung funktionieren. Im unsanierten Altbau mit hohen Wärmeverlusten wird sie dagegen schnell teuer. Die Verbraucherzentrale rät bei Bestandsgebäuden deshalb besonders zur Vorsicht, weil niedrige Anschaffungskosten die späteren Stromausgaben leicht überdecken.
Als grobe Orientierung werden abhängig vom Dämmstandard häufig 60 bis 100 Watt Heizleistung pro Quadratmeter angesetzt. Für ein 100 Quadratmeter großes Haus kann das eine installierte Leistung von etwa 6 bis 10 Kilowatt bedeuten. Diese Zahl beschreibt nicht den Dauerverbrauch, zeigt aber, wie groß die elektrische Anlage dimensioniert werden muss.
Kalte Außenwände bleiben ein Problem
Die Strahlung erwärmt vor allem die angestrahlten Oberflächen. Das kann sich angenehm anfühlen, ersetzt aber keine gute Gebäudehülle. Sind Außenwände, Fensterlaibungen oder Böden stark kalt, bleibt das Risiko von unbehaglichen Temperaturunterschieden und höherem Heizbedarf bestehen.
Auch die Platzierung ist wichtig. Ein Sofa vor dem Paneel, ein hoher Schrank oder eine ungünstige Montage können die direkte Strahlungswirkung einschränken. Die Wärme verteilt sich nicht so gleichmäßig wie bei einer gut geplanten wassergeführten Flächenheizung. Ich würde deshalb nie zuerst die Paneele auswählen und erst danach prüfen, ob das Haus energetisch dazu passt.
Lesen Sie auch: PV-Anlage - Montage, Inbetriebnahme & Kosten: So läuft's richtig
Keine Lösung für Warmwasser
Die Infrarotheizung erwärmt nur die Räume. Für Dusche, Küche und Waschbecken braucht das Gebäude weiterhin eine eigene Warmwasserlösung, etwa einen Durchlauferhitzer oder einen Speicher. Wird auch das Warmwasser elektrisch erzeugt, steigt der Gesamtstromverbrauch deutlich. Heizung und Warmwasser müssen immer gemeinsam kalkuliert werden.

Niedrige Anschaffung, aber nicht automatisch niedrige Gesamtkosten
Ein einzelnes Infrarotpaneel kostet je nach Leistung, Oberfläche und Ausstattung häufig etwa 100 bis 600 Euro. Dazu kommen Thermostate, Leitungen, Montage und gegebenenfalls Arbeiten am Sicherungskasten. Im Vergleich zu einer Wärmepumpe oder einer Zentralheizung wirkt das zunächst attraktiv.
Der Haken liegt in der Gesamtbetrachtung. Für mehrere Räume werden mehrere Paneele benötigt, und bei größeren Häusern kann die notwendige Anschlussleistung eine Prüfung der Elektroinstallation verlangen. Was bei einem kleinen Bad kaum auffällt, wird bei einem ganzen Einfamilienhaus schnell zum Planungs- und Kostenfaktor.
| Kostenbereich | Was häufig unterschätzt wird | Praktische Folge |
|---|---|---|
| Anschaffung | Mehrere Heizflächen und Raumthermostate | Die Summe liegt deutlich über dem Preis eines einzelnen Paneels. |
| Elektroinstallation | Zusätzliche Stromkreise oder Anpassungen am Zählerschrank | Vor dem Kauf muss die vorhandene Anlage geprüft werden. |
| Betrieb | Hoher Verbrauch bei langen Heizzeiten | Die günstige Anschaffung kann nach wenigen Heizperioden relativiert sein. |
| Warmwasser | Separate elektrische Erwärmung | Der Stromverbrauch des Haushalts steigt zusätzlich. |
Ein weiterer Nachteil ist die fehlende regelmäßige Förderung. Das BMWSB führt Stromdirektheizungen als Lösung für sehr gut gedämmte Gebäude mit geringem Heizbedarf, weist aber auch auf die hohen Verbrauchskosten hin. Die reine Infrarotheizung gehört nicht zu den typischen förderfähigen Heizungen der Bundesförderung für effiziente Gebäude.
Tarife, Sperrzeiten und Stromnetz können zum Problem werden
Viele Kalkulationen funktionieren nur mit einem günstigen Heizstromtarif. Einen solchen Tarif bekommt aber nicht jeder Haushalt automatisch. Häufig sind ein separater Zähler, eine getrennte Messung und die Anerkennung als steuerbare Verbrauchseinrichtung nötig.
Die Verbraucherzentrale nennt für einen zusätzlichen Zähler grob 50 bis 100 Euro zuzüglich Montage. Muss der Zählerschrank erneuert oder die Verkabelung angepasst werden, können die Kosten deutlich höher ausfallen. Zusätzlich kommt meist eine weitere Grundgebühr hinzu.
Günstiger Heizstrom kann außerdem mit Sperrzeiten verbunden sein. Dann darf der Netzbetreiber die Heizung in Zeiten hoher Netzauslastung zeitweise abschalten. Bei einer Wärmepumpe lässt sich das oft durch einen Wärmespeicher abfedern. Ein Infrarotpaneel speichert dagegen kaum Wärme. In einem schlecht gedämmten Gebäude können die Raumtemperaturen bei kaltem Wetter laut Verbraucherzentrale während solcher Unterbrechungen spürbar, teils um mehrere Grad, sinken.
Ich würde deshalb niemals mit einem vermeintlichen Nachtstrompreis rechnen, ohne vorher beim örtlichen Netzbetreiber nachzufragen. Nachtstrom hilft zudem wenig, wenn der größte Heizbedarf morgens, am Nachmittag und am Abend auftritt. Ein Tarifangebot muss zu den tatsächlichen Heizzeiten passen.
Photovoltaik macht die Nachteile nicht automatisch weg
Die Kombination aus Infrarotheizung und Photovoltaik klingt zunächst überzeugend. Eigener Solarstrom kann die Heizkosten senken, besonders in der Übergangszeit. Im Dezember oder Januar produziert eine Photovoltaikanlage jedoch deutlich weniger Energie, während der Wärmebedarf meist am höchsten ist.
Hinzu kommt der zeitliche Versatz. Die Anlage erzeugt Strom vor allem tagsüber, geheizt wird aber oft morgens und abends. Ein Batteriespeicher kann diesen Unterschied teilweise ausgleichen, verursacht jedoch zusätzliche Investitionskosten und ersetzt keine saisonale Speicherung. Photovoltaik ist deshalb eine Unterstützung, aber kein Freibrief für elektrische Direktheizung.
Für ein kleines, gut gedämmtes Gartenhaus, ein gelegentlich genutztes Ferienzimmer oder einen Anbau kann die Rechnung trotzdem aufgehen. Dort zählt nicht nur der Energiepreis, sondern auch der Verzicht auf Heizungsrohre, Heizkessel und aufwendige Installation. Bei einem dauerhaft bewohnten Einfamilienhaus sollte ich den erwarteten Eigenverbrauch allerdings mit realistischen Winterwerten und nicht mit der jährlichen Gesamtproduktion berechnen.
Wann ich von einer Infrarotheizung abraten würde
Besonders kritisch sehe ich die Technik in einem unsanierten Altbau als alleinige Heizung. Hohe Wärmeverluste, lange Laufzeiten und teurer Haushaltsstrom treffen dort zusammen. Auch für große Wohnflächen mit mehreren Bewohnern ist die Lösung meist schwer wirtschaftlich zu betreiben.
| Situation | Meine Einschätzung | Warum |
|---|---|---|
| Unsanierter Altbau | Eher ungeeignet | Hoher Wärmebedarf führt schnell zu sehr hohen Stromkosten. |
| Sehr gut gedämmter Neubau | Nur nach Berechnung | Geringer Bedarf kann die Technik ermöglichen, die gesetzlichen Anforderungen müssen trotzdem geprüft werden. |
| Kleines Bad oder Arbeitszimmer | Oft sinnvoll als Zusatzheizung | Kurze Heizzeiten und gezielte Wärme sprechen für die schnelle Reaktion. |
| Ferienhaus oder selten genutzter Raum | Kann passen | Die einfache Installation und die schnelle Regelbarkeit sind hier Vorteile. |
| Ganzes Haus mit Photovoltaik | Nur mit genauer Bilanz | Die solare Erzeugung passt im Winter zeitlich und mengenmäßig oft nicht zum Bedarf. |
Als Zusatzheizung kann ein Paneel dagegen sehr praktisch sein. Wer nur gelegentlich am Schreibtisch, im Bad oder in einem kalten Hobbyraum Wärme braucht, muss nicht gleich das gesamte Heizsystem umstellen. Für diesen begrenzten Einsatz fällt der größte Nachteil, der hohe Dauerverbrauch, deutlich weniger ins Gewicht.
Vor dem Kauf rechne ich mit drei konkreten Zahlen
- Heizwärmebedarf: Wie viele Kilowattstunden benötigt das Gebäude tatsächlich pro Jahr?
- Elektrische Leistung: Reicht die vorhandene Installation für alle Paneele, Thermostate und weitere Verbraucher?
- Gesamtkosten: Was kostet der Strom einschließlich Warmwasser, Grundpreis und möglicher Anpassungen am Zähler?
Erst wenn diese drei Werte bekannt sind, lässt sich die Entscheidung seriös treffen. Für einzelne Räume und sehr effiziente Gebäude kann Infrarot eine einfache, angenehme Lösung sein. Als vollwertiger Ersatz für ein gut geplantes Heizsystem im durchschnittlichen oder schlecht gedämmten Wohnhaus überwiegen aus meiner Sicht jedoch die laufenden Kosten und die Abhängigkeit vom Strompreis.